Anpassung als Therapie und Chance!

Ist der durch Menschenhand verursachte Klimawandel so schlimm? Reichen die vorhandenen Maßnahmen nicht aus, um so weiterleben zu können? Österreich wird in Zukunft noch wesentlich stärker vom Klimawandel betroffen sein. Bis 2050 wird die jährliche Durchschnittstemperatur in Österreich gängigsten Prognosen zufolge um 2 bis 3 Grad steigen. Der Alpenraum mit seinen vielen verschieden Klimazonen reagiert besonders sensibel schon auf kleine klimatische Schwankungen.
Schon das Ansteigen der Durchschnittstemperatur um ein paar zehntel Grade hat in den letzten Jahrzehnten zu einer Verdoppelung der Hitzetage in den Niederungen geführt.

Das Treibhausgaszeitalter hat bereits begonnen!

Haben Sie gewusst,

  • dass die Alpengletscher seit dem Beginn der Industrialisierung bis 1980 etwa ein Drittel ihrer Fläche und circa die Hälfte ihrer Masse verloren haben und sich dieser Trend bis 2012 beschleunigt hat?
  • dass nach Angaben der OECD bei Zunahme der Jahresdurchschnittstemperatur um 2 Grad Celsius die Anzahl der schneesicheren Schigebiete im Alpenraum um ein Drittel sinken wird, bei 4 Grad um zwei Drittel?
  • dass wärmeliebende Pflanzenarten wie die Ambrosia im Vormarsch sind, welche die österreichische Artenvielfalt und unsere Gesundheit, durch ihre allergene Wirkung, gefährden?

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Der Klimawandel findet statt – wir beginnen erst jetzt die unaufhaltsamen Auswirkungen der Emissionen der vergangenen 200 Jahre zu spüren. Selbst wenn ab sofort kein CO2 mehr emittiert werden würde, sind durch das langsame Reagieren des Klimasystems gravierende Auswirkungen gewiss. Es ist notwendig, sich vorausschauend anzupassen.

Anpassung wird bis heute vorwiegend als Reaktion auf bestimmte Klimafolgen und Naturgefahren gesehen. Reagieren, wie das Begradigen von Flüssen oder Bauen von neuem Hochwasserschutz, reicht aber für die zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels nicht aus.

Wir sehen den Klimawandel als Chance für Gemeinden um sich zu stärken. Wir wollen agil und vital in die Zukunft gehen, zu agieren, und vorausschauende Anpassungsmaßnahmen zu treffen, ist zunehmend gefragt. Damit können kostspielige Fehler bei heutigen Entscheidungen und Investitionen vermieden werden. Auch vorsorgliches Handeln ist eine Chance, Veränderungen im Zuge des Klimawandels zu erkennen und zu nutzen.

Wichtig ist aber auch: Anpassung kann und will Klimaschutz nicht ersetzen, beides ist notwendig. Die Reduktion der Emissionen hat weiterhin oberste Priorität. Umso erfolgreicher wir heute unsere Emissionen reduzieren, desto geringer wird auch der zukünftige Anpassungsbedarf ausfallen.

Wie sieht es mit Ihrem Kapital aus?

Welche Kosten kommen durch die notwendige Anpassung auf Sie zu? In Zeiten knapper Budgets steht Ihnen oft nicht ausreichend Finanzkapital für technische Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung. Investitionen in Schutzbauten und Infrastruktur alleine reichen für eine erfolgreiche Anpassung nicht aus.
In Ihrer Gemeinde dreht sich hoffentlich nicht immer alles nur ums Geld. Wie sieht es mit dem Zusammenhalt, mit Wissen, mit dem Zuhören, mit Erfahrung und Vernetzung aus?

Die Menschen und ihr Zusammenhalt sind das wichtigste Kapital jeder Gemeinde! Sie besitzen diese Kapitalien, die genutzt und gestärkt werden können, um die Verwundbarkeit gegenüber Klimafolgen zu reduzieren.

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Die Rede ist von Human- und Sozialkapital.

Humankapital ist in Ihrer Gemeinde das Kapital der EinwohnerInnen im Hinblick auf deren Wissen, Bildung, Gesundheitszustand, Arbeitserfahrung und Motivation.

Sozialkapital ist ein Maß für den Zusammenhalt in Ihrer Gemeinde, den Sie an der Dichte von Netzwerken und Vereinen, an der Hilfsbereitschaft untereinander und an gegenseitigem Vertrauen ablesen können.

Dieses Handbuch soll Ihnen als Leitfaden dienen, um die vorhandenen Kapitalien in Ihrer Gemeinde zu identifizieren – sie sind die Voraussetzung, um die Anpassung an den Klimawandel besser zu entwickeln.

Die klassischen Heilmethoden – Geld und Infrastruktur – sind nicht immer die richtigen, gerade wenn es um Ihre am Klimawandel erkrankende Gemeinde geht. Probieren Sie doch für Ihren Patienten eine alternative Medizin aus, nämlich das Zusammenrücken in der Gemeinde und den Ausbau des Wissensstandes, um gut vorbereitet zu sein. Sie erzielen überraschende Ergebnisse!